Das Kreszentia-Stift

Journalisten in der Nähe sind gut. Christian Poka, Heimleiter des Kreszentia-Stifts in München, freut sich über den neuen Nachbarn im ehemaligen Kapuzinerkloster St. Anton: Das ifp. „Wenn ich sage, dass ich in der Altenhilfe arbeite, höre ich leider viel zu oft: Ausbeuter oder menschenverachtend“, sagt Poka. Deshalb sei er froh, jetzt Nachbarn zu haben, die beim Radio, Fernsehen oder bei Zeitungen arbeiten. Journalisten, die auch im Kreszentia-Stift „herzlich willkommen sind“. Um mit eigenen Augen zu sehen, wie es in dem Altenheim zugeht.

Ein starkes Team: Schwester Cordula und Christian Poka

Der Torbogen zwischen Heim- und Instituts-Gelände ist frisch verputzt. Eine Schaufel lehnt am mausgrauen Putz. Einzelne Ziegel stapeln sich lose auf den Einbetonierten. Über einen kleinen Innenhof geht es zum Garten. „18.000 Quadratmeter Grundfläche haben wir insgesamt“, rechnet Poka. Einige der rund 200 Bewohner sitzen auf Bänken in der Sonne. Eine Frau im Rollstuhl beobachtet dösende Hasen im Freilaufgehege. „Im Garten ist es am schönsten“, sagt Franziska Holzmeyer. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann im Heim. Sie liest gerne, besonders katholische Zeitungen. „Mein Neffe bringt mir immer den Altöttinger Liebfrauenboten mit“, erzählt sie. Auch Marianne Buchner bezeichnet sich selbst als Leseratte. „Der Münchner Merkur gefällt mir besonders. Auf unsere Heimzeitung bin ich auch immer gespannt “, sagt sie. Die Heimzeitung mit Gedichten, Witzen und Rätseln erscheint alle zwei Monate. Einen Fernseher besitzt sie nicht: „Den schaltet man ein und sitzt dann bis Mitternacht davor.“ Zeit zu vertrödeln kommt für sie nicht in Frage. Marianne Buchner hat einen Job. Sie vertritt mittags die Kreszentia-Schwestern an der Pforte.

Christian Poka im Gespräch mit einer Bewohnerin.

Gegründet wurde die Einrichtung von Kreszenz Schmitter (1817-1890), einer Ordensfrau aus Oberbayern. Die Schutzpatronin des Heims ist eine Namens- und Seelenverwandte: Crescentia von Kaufbeuren. „Beide Frauen verhielten sich für die damalige Zeit unbequem“, sagt Poka. „Sie ließen sich von einer männerdominierten Kirche nicht einschüchtern.“

Heute leben noch rund dreißig Schwestern im Konvent, Generaloberin Schwester Cordula ist mit 68 Jahren die jüngste. Wie die meisten Orden haben auch die Kreszentia-Schwestern Nachwuchssorgen. „Die jungen Leute wollen sich nicht mehr so binden, weder in ihren Beziehungen noch im Glauben an Gott“, sagt Schwester Cordula. Im Haus zeigt Heimleiter Poka den Speisesaal der Nonnen. Nur wenige Tische sind gedeckt. „Noch vor 25 Jahren sah es hier ganz anders aus“, sagt Poka. Die Schwestern seien für das Heim unverzichtbar. Ob an der Pforte, im Garten, auf den Stationen, am Sterbebett. Rein rechnerisch ersetze eine Ordensfrau drei Angestellte. „Für ihre Arbeit bekommen sie nur wenige hundert Euro Taschengeld“, erklärt Poka.

Dori und dreimal Nemo: Das Salzwasseraquarium im Altenheim

Dank des Stiftungsvermögens der Schwestern kann sich das Heim einige Extras leisten. Zum Beispiel besuchen ausgebildete Therapiehunde die Bewohner. Besonderes Glanzlicht ist das Salzwasseraquarium im Speisesaal. Poka deutet auf drei orange-weiße Clownfische. „Die kennt man aus dem Film ´Findet Nemo`“, erzählt er. „Wir haben Fische hier, die im Film mitspielten. Da vorn schwimmt die Dori.“ Das Aquarium sei zwar kostspielig, erfülle aber eine wichtige Funktion: Enkel freuen sich über die Tiere und kommen noch lieber zu Besuch.

Auch Dank der Lage im Herzen des Glockenbachviertels klopfen viele Besucher an der Pforte des Altenheims. Einmal im Jahr veranstaltet das Stift ein Sommerfest im Garten. „Da kommen 600 bis 700 Leute“, sagt Poka. Er freue sich schon darauf, demnächst mit den ifplern zu feiern.

Katrin Birner, Julia Hollwedel

Crescentia – Heilige und Schutzpatronin

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