Die Kapuziner

Da, wo seit dem 1. April 2008 das ifp residiert, lebten über 160 Jahre lang Kapuziner. Seit 1847 beteten und arbeiteten die Ordensbrüder, für lange Rauschebärte und gute Predigten bekannt, an der Kapuzinerstraße im Münchner Süden.

Alles begann mit einer kleinen Feldkapelle weit vor den Toren der damaligen Residenzstadt. Der Abdecker Bartholomäus Deibler baute sie im Jahr 1670 am Weg Richtung Thalkirchen. In das offene Bethaus hängte er ein Bild des „Heilands an der Geißelsäule“. Schon bald setzte eine regelrechte Wallfahrt dorthin ein, in Scharen strömten die Menschen zu der Kopie des berühmten Andechser Gnadenbildes.

Da es in diesem Landstrich nahe der Isar kein anderes Gotteshaus gab, entschloss man sich 1697 zum Bau einer „richtigen“, der „Schmerzhaften“, Kapelle. 1705 wurde der achteckige Kuppelbau eingeweiht, bis heute das Herzstück des Gebäudekomplexes an der Münchner Kapuzinerstraße. Allerdings sollte es noch weit mehr als hundert Jahre dauern, ehe der Kapuzinerkonvent bei St. Anton gegründet wurde: Mitte des 19. Jahrhunderts erhob man die Schmerzhafte Kapelle zur Kapuziner-Klosterkirche, pünktlich zur Rückkehr des franziskanischen Bettelordens nach München. Denn im Zuge der Säkularisation hatten die beim Volk beliebten Patres 1802 die Stadt verlassen müssen.

Wie schon vor dieser vorübergehenden Vertreibung arbeiteten die Brüder auch weiterhin in der Armenspeisung, der Gefängnisseelsorge – unter anderem in der bekannten Haftanstalt in Stadelheim – oder nahmen die Beichte ab. Und sie begeisterten nach wie vor die breite Masse mit volksnahen Predigten. Ihre Blütezeit erlebten die Kapuziner im Münchner Süden gegen Ende des ausgehenden 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts: So lebten nach dem Ersten Weltkrieg etwa 70 Brüder in dem Gebäudekomplex zwischen der Schmerzhaften Kapelle und der 1895 erbauten Antoniuskirche. Hier betrieben sie unter anderem eine Schlosserei, eine Gärtnerei und eine Schweinezucht. Zu dieser Zeit war das Kloster St. Anton einer der größten Kapuzinerkonvente in Bayern.

Mit der Gründung der Pfarrei St. Anton im Jahr 1936 übernahmen die Patres zu ihren übrigen Aufgaben auch die Seelsorge in dieser Gemeinde, die nach dem Zweiten Weltkrieg noch etwa 12000 Mitglieder umfasste. Heute steht der Gemeinde in der Isarvorstadt, die mittlerweile nur noch 3000 Mitglieder zählt, Pater Wolfgang Eggerbauer als Pfarrer vor. Leben, beten und arbeiten wird der Kapuzinerpater mit einigen wenigen Mitbrüdern ab Herbst 2008 in einem neuen Nebentrakt des einstigen Klostergemäuers – Wand an Wand mit dem ifp.

Text: Katharina Zeckau / Fotos: Volker Poerschke, Florian Ertl
Weitere Fotos – aktuelle und historische – sehen Sie hier
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