Von Kirchturm zu Kirchturm

 

Wer nach München kommt, der hat meist klare Vorstellungen davon, was es in der bayerischen Landeshauptstadt alles zu unternehmen gibt: Die Berge will man sehen – wenn auch nur in der Ferne- ein gutes Bier trinken, in der Altstadt flanieren und einige waschechte Bayern in der Tracht erleben. Was bei den meisten Reisenden nicht fehlen darf, ist ein Foto der Mariensäule am Marienplatz und der Besuch des Liebfrauendomes.

Nicht nur die „Hauben“-Türme der Frauenkirche, nein, unzählige Kirchen prägen das Bild der Stadt. Und an Festtagen wie dem 1. Mai, dem Festtag der Gottesmutter Maria als „Patrona Bavariae“ oder auch am Fronleichnamsfest zeigt sich die ganze bunte Vielfalt des hiesigen Glaubenslebens. Denn dieser Glaube ist in München nicht nur Teil des Trachtlertums und der Postkartenromantik. Er hat die Stadt in der Vergangenheit geprägt und tut das bis heute.

Mönche gaben der Stadt München ihren Namen und das oft genannte „Münchner Kindl“, der Mönch im Wappen, ist bis heute Wahrzeichen. Und Mönche leben, beten und arbeiten bis heute in München. So zum Beispiel die Benediktiner von Sankt Bonifaz:

Sankt Bonifaz

Ein Ausflug zum imposanten Königsplatz lohnt immer, doch Reisenden sei auch der Gang in die benachbarte Karlstraße empfohlen. Dort thront, inmitten zahlreicher Häuser und Geschäftsgebäude, die mächtige Basilika Sankt Bonifaz. Von außen erinnert sie an frühchristliche Gotteshäuser, die sonst nur noch in Rom zu bestaunen sind. Im Inneren jedoch ist der Gottesraum von moderner, klarer Schönheit. Der Altar steht in der Mitte, um ihn herum sind die Bankreihen kreisförmig angeordnet. Abstrakte Gebilde hängen von den Decken und vermitteln einen Hauch von Leichtigkeit in dem hellen Raum. In einer Seitennische stehen die Sarkophage von König Ludwig I., dem Erbauer der Basilika, und seiner Gattin Therese.

Sankt Bonifaz ist aber nicht nur eine sehenswerte Kirche. Es ist vielmehr ein Ort der inneren Einkehr, des Verweilens und Zu-sich-selbst-Kommens. Jeden Tag um 6.50 und 18 Uhr finden Gottesdienste in der Basilika statt. Wer Fragen über Gott und die Welt diskutieren möchte, dem seien die dienstäglichen Abendgespräche mit den Mönchen des Klosters und verschiedenen Referenten empfohlen.

Ein ganz neues und spannendes Projekt der Benediktinermönche ist das Münchner Geschichten-Forum der Generationen. Alte und junge Menschen finden hier zusammen, deren Lebensgeschichten im Alltag der Stadt aufeinandertreffen. Alteingesessene und Zugezogene lassen mit ihren erzählten Erlebnissen ein lebendiges Bild der Geschichte Münchens entstehen. Zeitgeschichtliche Dokumentationen der besonderen Art. (mehr)

 

„Zu Unserer Lieben Frau“

Am 14. Juni ist es wieder soweit: Dann begeht die Stadt München mit einem Pontifikalgottesdienst und einer Reliquienprozession den Tag ihres Stadtpatrons St. Benno. Doch nicht nur am Tag des Heiligen, dessen Gebeine in der Kathedrale ruhen, an allen christlichen Festtagen des Jahres steht eine der Münchner Kirche ganz besonders im Zentrum des Geschehens: die Frauenkirche, oder der Liebfrauendom, oder ganz richtig „Zu Unserer Lieben Frau“.

1271 entstand die erste Kirche an dieser Stelle und über die Jahrhunderte hinweg gewann das Gotteshaus mit seinen typischen „Hauben“-Türmen immer mehr an Bedeutung. 1821 lief es schließlich dem altehrwürdigen Freiding sogar den Rang als Kathedrale des Erzbischofs von München und Freising ab.

Das Gotteshaus mit seinem ausladenden Inneren bietet mehr als 20.000 Menschen Platz. Um seine Raumwirkung rankt sich eine besondere Legende: die vom Teufelstritt.

Die Frauenkirche ist der Mittelpunkt des kirchlichen Lebens in der Stadt. Münchner wie Besucher finden den Weg in die täglichen Gottesdienste, die Jugend begeht hier alljährlich ihre große Maiandacht und bei fast allen kirchlichen Feiertagen und Prozessionen ist die Frauenkirche Ausgangs- und Endpunkt.

Im Jubiläumsjahr 2008 bietet die Kirche ihren Besuchern zudem eine Ausstellung über den Stadtpatron Benno, zahlreiche Orgelkonzerte und Domführungen. (mehr)

„Alter Peter“

„Solang der alte Peter, am Peterbergl steht, solang die grüne Isar durchs Münchner Stadterl geht, solang da drunt am Platzl noch steht das Hofbräuhaus, solang stirbt die Gemütlichkeit bei de Münchner niemals aus“.

In der Stadthymne Münchens ist er verewigt: der „Alte Peter“ oder besser gesagt „St. Peter“, die älteste Pfarrkirche der Stadt.

Wer nicht auf dem „Alten Peter“ war, der ist quasi nie in München gewesen. Der hohe Petersturm reiht sich ein in das Ensemble der Domtürme und Rathausspitzen rund um den Marienplatz. Den Turm mit seinen 306 Stufen zu besteigen ist für jeden München-Besucher Pflicht, und bei gutem Wetter wird er mit einer Sicht bis zu 100 km belohnt. Aber auch die Kirche St. Peter selbst ist eine Besichtigung wert. 1294 wurde sie geweiht und hat während der wechselvollen Stadtgeschichte immer neue Veränderungen erfahren. Heute zeigt sich ihr Inneres im neubarocken Stil, es sind aber auch noch mittelalterliche Bauelemente zu erkennen.

St. Peter hat einige Besonderheiten zu bieten. So besitzt zum Beispiel die Hochaltarfigur des heiligen Petrus eine abnehmbare Tiara. Stirbt ein Papst, so wird der Petrusfigur sofort die Tiara abgenommen und auf einen Seitenaltar gestellt. Nach der Wahl eines neuen Papstes kehrt sie auf das Haupt des Petrus zurück. Es lohnt sich auch die vielen weiteren Geheimnissen des Gotteshauses, die sich um seinen Turm und seine Glocken ranken, zu lüften.

 

Mehr zu Kirchen und Klöstern in München gibt es hier.

Fotos und Text: Antonia Gemein/Katharina Schmülling/Diana Steinbauer

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