Crescentia – Heilige und Schutzpatronin

Wer heute durch Kaufbeuren im Alläu geht, begegnet der heiligen Crescentia überall: Sie blickt von Häuserwänden, leiht Apotheken ihren Namen, prangt auf Wegweisern. „Die Verehrung ist hier sehr lebendig“, sagt Schwester Concilia. Sie ist Franziskanerin im Crescencia-Kloster und führt regelmäßig durch eine Ausstellung, die dem Leben der Heiligen gewidmet ist.


Da geht´s lang – auf dem Weg zur Heiligen

Der Rundgang beginnt im Obergeschoss; der Besucher betritt einen blau gestalteten Raum. Bilder, Texte, Kleidung der Heiligen sind zu sehen und lassen erahnen, wie das Leben Crescentias verlief. Anna Höß, so der bürgerliche Name, wird am 20. Oktober 1682 als sechstes von acht Kindern in Kaufbeuren geboren. „Schon als kleines Kind wollte sie immer nur in der Kirche sein. Sie stand schon morgens vor der Tür und wartete, bis ihr geöffnet wurde“, sagt Schwester Concilia. Der Weg ins Kloster ist allerdings kein leichter. Ihr Vater, ein Weber, kann die nötige Mitgift nicht aufbringen. Der Bürgermeister, selbst evangelisch, setzt sich für sie ein.

 2005 wurde das Museum neu eröffnet. 

1703 wird Anna Höss in die Gemeinschaft aufgenommen und erhält den Ordensnamen Crescentia -“die Wachsende“. Ihr Probejahr beginnt unter denkbar schlechten Bedingungen. Die Oberin Theresia Schmid kann Crescentia nicht leiden und überträgt ihr immer härtere Aufgaben. Mit einem Sieb soll sie Wasser schöpfen – es soll ihr gelungen sein, ohne einen einzigen Tropfen zu verschütten.


Das Wundersieb

In ihren Visionen sieht und fühlt sie die Leiden Jesu und nimmt sie sich zum Vorbild. “Mein Leben ist Liebe, mein Lieben ist Leiden“. Das zeigt auch die Ausstellung: Ihre blutgetränkte Geißel ist ebenso zu sehen wie eine Zeichnung Crescentias, die römische Folterwerkzeuge zeigt. „Wissenschaftler waren von der Genauigkeit beeindruckt“, sagt Schwester Concilia. „Dabei soll sie keinerlei zeichnerisches Talent gehabt haben.“ 

Blutverschmiert: Mit ihrer Geißel wollte Crescentia die Leiden Jesu nachempfinden.

1741 wird Crescentia zur Oberin des Klosters gewählt und übernimmt weitere Aufgaben. „Crescentia war eine außergewöhnliche Frau und Ratgeberin für viele“, sagt Schwester Concilia. Sie mischt sich in die Politik ein, schreibt Briefe an Fürsten und weist auf Probleme der Gesellschaft hin. Die Schriftwechsel sind bis heute erhalten und ebenfalls in der Gedenkstätte zu sehen. 

Am 25. November 2001 wird Crescentia von Papst Johannes Paul II. in Rom heilig gesprochen. Einer der Gründe dafür: Mitte der 1980er Jahre verunglückte ein Mädchen beim Schwimmen. Rund 40 Minuten soll sie unter Wasser gelegen haben. Verzweifelt beteten die Angehörigen für das Kind. Das Mädchen erwachte und war vollkommen gesund.

Das Original-Ordensgewand

Epilepsie, Brände, Prüfungsangst: Die unzähligen Votivtafeln zeugen vom Glauben der Pilger an ihre Crescentia. Eine Auswahl ist in der Ausstellung zu sehen. Und auch in Liebesdingen scheint Crescentia zu helfen. „Ich habe mir immer einen ganz besonderen Mann gewünscht“, sagt eine Besucherin, die mit ihrem Sohn die Ausstellung besichtigt. „Der sollte so viele besondere Eigenschaften haben, dass meine Mutter immer gesagt hat: ‘So einen findest Du nie’. Da hab’ ich die Heilige Crescentia um Hilfe gebeten. Und es hat geklappt!“

Julia Hollwedel, Katrin Birner

Weitere Informationen: 

http://www.kaufbeuren-tourismus.de

http://www.crescentiakloster.de

 

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